Informationsplattform für Missbrauchte Christen

10 Merkmale

Während der bald sieben Jahre, in denen ich intensiv mit geistlichem Missbrauch und deren Täter wie Opfer zu tun hatte, kamen primär die unten genannten Merkmale zum Tragen und sollen helfen, Missbräuche zu erkennen.

  1. Wenn du ein Problem ansprichst, wirst du zum Problem und das Problem wird nie beprochen.
    Ein sachliches Problem wird angesprochen, oder irgendetwas das dich stöhrt. Plötzlich merkst du während dem meist manipulativen Gespräch mit dem Leiter, dass du zum Problem gemacht wirst.
    Dies kann ausarten bis hin dazu, dass die Leiter dir den Glauben absprechen, dich als psychisch krank oder sogar bessesen, resp. als Werkzeug Satan's betiteln.
    Die sachliche Diskussion über einen Missstand wird nie stattfinden.

  2. Wenn du einen Leiter/Pastor hinterfragst, wird dir gesagt, du hast ein Autoritätsproblem.
    Bibelstellen über "Leiterschaft" werden dir als Lektüre verpasst und stark auf Unterordnung gepocht.
    Entspricht eigentlich dem Merkmal 1 - du wirst zum Problem gemacht.

  3. Mentoring wird zur Kontrolle missbraucht.
    Mentoring, Coaching, Seelsorge - und alle Namen, die man noch dafür finden möge - wird für die Kontrolle der Mitglieder missbraucht. Leiter besprechen persönliche Détails aus seelsorgerlichen Sitzungen miteinander und versuchen die Untergebenen damit zu manipulieren, bis hin zu Erpressung.
    (siehe dazu auch den hinterfragenden Bericht zum Mentoring)

  4. Die Leitung nimmt sich das Recht, über dein Privatleben zu bestimmen.
    Die Leitung ist mehr an deinem Lebenssti, als an dir als Person interessiert.
    Hier ist nicht eine Anregung über deinen Lebenswandel gemeint, sondern eine Kontrolle. Es kann vorkommen, dass man dir ein Hobby nicht mehr gewährt, einen Musikstil oder Bücher verbietet etc.

  5. Die Leitung steht nicht zu gemachten Fehlern.
    Da die Leitung sich als ultimatives Werkzeug Gottes sieht, oft auch der Pastor als eine Art Auserwählten, der nicht angetastet werden darf - was übrigens völliger Unsinn ist - wird er seine Fehler nicht einsehen (wollen).
    Allgemeine Aussagen wie "Wir machen alle Fehler" kann ein Missbrauchender Leiter schon mal von sich geben, doch wenn man von ihm konkret eine Entschuldigung verlangt, werden Merkmale 1 oder 2 in Kraft treten.
    (siehe dazu den Hinterfragenden Bericht "Taste den Gesalbten des Herrn nicht an")

  6. Der Schein zählt mehr als das Sein.
    Fehler, Missstände, körperlicher oder sexueller Missbrauch werden lieber verdeckt gehalten, um den Schein zu wahren.
    Besucherfreundliche Gottesdienste werden eingeführt, denn da sind alle so lieb und die wahren Charaktere kommen nicht zum Vorschein - man spielt sich was vor, wie es die Leitung der Gemeinde schon lange tut.
    Bei Abstimmungen wird sogar befohlen, gemäss Meinung der Hauptleitung zu stimmen und nicht aufzumumpfen!

  7. Freundschaften und Ehen werden zerstört.
    Kann man den Hinterfragenden nicht ruhig stellen, werden die Mitglieder, Freunde und sogar Ehepartner manipuliert und gegen den Hinterfragenden aufgehetzt. Aussagen wie "XY hat eine schwere Zeit und lebt in der Verführung." oder "XY lässt sich nicht mehr vom Geist Gottes leiten und greift die Leiterschaft mit Lügen an." werden meist sehr subtil ein diverse Gespräche, Gebetskreise und sogar Predigten eingebaut.

  8. Unangenehme Aussagen werden als Missverständnisse abgetan
    Oft werden in bewusst geplanten Zweiergesprächen Aussagen gemacht, welche die Leiterschaft, wenn diese anderen Mitgliedern zuteil werden, als Missverständnis oder Lüge deklariert. Der Hinterfragende wird bewusst als unglaubwürdig dargestellt.

  9. "Kleider machen Leute"
    Mitglieder werden aufgrund ihrer Position, sei dies innerhalb der Kirche oder im Beruf,  bevorzugt behandelt.
    Andererseits werden kranke oder depressive Menschen bewusst gemieden oder als Minderwertig abgestempelt. z.B. "XY kann Gott noch nicht gebrauchen bis er/sie heil ist."
    Aber den absurden Zehnten zahlen dürfen sie schon!

  10. Mit-Entscheidung nur proforma
    Die Leiterschaft möchte den Mitgliedern oder sogar den Mit-Leitern das Gefühl vermitteln, sie hätten in einer Entscheidung beigetragen. Oft sind jedoch solche Gespräche eine abgekartete Sache, in denen die Leitung bereits entschieden hat und die Diskussion manipulativ zu ihrem Wunsch hin steuert.
    Beim Erkennen und Ansprechen eines solchen Manövers, treten meist Merkmale 1 und 2 in Kraft.

Diese Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Jedes Merkmal könnte mit unzähligen Beispielen und Aussagen untermauert oder weiter ausgeführt werden.

News
13. Juli 2010:
neue Literaturempfehlung

28. April 2008:

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